Bodyshaming - Vom Mangel an Selbstliebe zur Überwindung des inneren Schamgefühls

Bodyshaming Schamgefühl überwinden Selbstliebe lernen

“Ich bin einfach zu dick!”; “Wieso ist meine Nase so groß?”; Auf Fotos sehen alle anderen immer besser aus als ich!” – Kommen dir diese Aussagen bekannt vor? Dann hast du bereits, wie viele andere, deine Erfahrung mit Bodyshaming gemacht. 

Aber was genau ist dieses Bodyshaming überhaupt? Woher kommt es und wie beeinflusst es mich in meinem Alltag? Dieser Artikel liefert dir Antworten und gibt dir ein paar Tipps und Tricks mit an die Hand, wie du mit mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe vom Bodyshaming hin zur Überwindung des inneren Schamgefühls gelangen kannst.


Bodyshaming - Ein gefährliches Schamgefühl

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Jeder kennt die Situation – Man ist wieder einmal in ein Fettnäpfchen getreten, sei es weil man den Geburtstag eines Kollegen vergessen oder aus Versehen die falsche Nachricht an die falsche Person gesendet hat. Egal welche Situation, die Konsequenz ist dieselbe: Ein Schamgefühl. Uns wird warm, wir bekommen vielleicht sogar einen roten Kopf. Ein unangenehmes Gefühl breitet sich im ganzen Körper aus. Auch Bodyshaming ist eine Art Schamgefühl, aber:

  1. Bodyshaming bezieht sich auf die Kritik am und die Scham vor dem (eigenen) Körper anstatt auf eine bestimmte Situation oder Tätigkeit.
  2. Bodyshaming wird schnell sehr gefährlich, da es sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann.

Es handelt sich beim Bodyshaming um eine starke Unsicherheit und übermäßige Kritik am (eigenen) Körper, die durch den Vergleich mit anderen Menschen entsteht. 

Und Bodyshaming ist dabei keine Seltenheit: Laut der internationalen Data and Analytics Group YouGov haben 25% der Deutschen Erfahrung mit Bodyshaming gemacht. Vor allem Frauen sind davon betroffen (29% vs. 20% der befragten Männer).

 Bodyshaming ist eine starke Unsicherheit und Kritik am (eigenen) Körper.


Welche Arten von Bodyshaming gibt es?

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Bodyshaming ist vielfältig und kennt kaum Grenzen. Beispiele unterschiedlicher Arten dieses Schamgefühls haben wir dir hier aufgelistet:

  • Fat Shaming (gegen dicke Körper)
  • Skinny Shaming (gegen dünne Körper)
  • öffentliches Bodyshaming (im öffentlichen Rahmen, z.B. über die sozialen Medien)
  • inneres (selbstbezogenes) Bodyshaming
  • äußeres (fremdbezogenes) Bodyshaming. 

Die Gemeinsamkeit: Es geht immer um eine unverhältnismäßige Kritik gegenüber dem äußeren Erscheinungsbild. Wir fokussieren uns in diesem Artikel auf das innere Bodyshaming. Damit bezeichnet man die Scham vor sich selbst und die übermäßige Kritik am eigenen Körper (z.B. “Wieso bin ich so hässlich?”).


Woher kommt Bodyshaming?

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Inneres Bodyshaming ist die unmittelbare Folge eines Mangels an Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Akzeptieren und lieben wir unseren Körper nicht so wie er ist, entsteht Selbstkritik und dadurch zu guter Letzt ein tief verankertes Gefühl von Scham vor uns selbst.

Leider entwickeln wir heutzutage diese Scham viel zu schnell und zwar vor allem durch zwei unsichtbare Kräfte: Gesellschaftliche Normen und Sozialisation.

Gesellschaftliche Normen

Überall um uns herum werden wir mit Schönheitsidealen konfrontiert, insbesondere durch die Medien. Uns wird vorgegaukelt, ein bestimmtes Äußeres sei “perfekt”, während andere äußere Merkmale weniger “perfekt” sind. Dadurch entstehen Normen, an denen wir uns orientieren.

Sozialisation

Durch die Sozialisation, also das Aufwachsen und Erlernen der Normen in unserer Gesellschaft, ziehen sich diese Vorstellungen von Beginn an durch unser ganzes Leben und lösen permanenten Stress aus. Unser Denken, Fühlen und Handeln wird durch diese Vorstellungen gesteuert.

Der Weg zum (innereren) Bodyshaming

Ausgelöst wird Bodyshaming letztendlich durch das Gefühl, der allgemeinen Norm nicht zu entsprechen und weniger wert zu sein als andere. Kein Wunder also, dass Bodyshaming so verbreitet ist, denn wie soll man auch “perfekt” sein, oder? Der andauernde Vergleich mit Schönheitsidealen ist jedoch niemandem zu verübeln. Der Vergleich mit anderen Menschen ist tief in uns verankert und dient als Orientierung, welche uns wiederum ein Gefühl von Sicherheit gibt. Und psychologisch betrachtet ist das Gefühl von Sicherheit eines der grundlegenden Bedürfnisse des Menschen. Leider wird im Fall von Schönheitsidealen die Orientierung erschwert und wir bekommen am Ende nicht das ersehnte Gefühl von Sicherheit, sondern – im Gegenteil – wir sind mit der Unsicherheit über unseren eigenen Körper konfrontiert. Wir haben das Gefühl, dem Ideal nicht zu entsprechen. Das Resultat: Wir schämen uns – und der Weg zum inneren Bodyshaming ist frei.


Bodyshaming als Feind unserer mentalen Gesundheit

Bodyshaming ist fatal, denn es ist ein großer Feind unserer mentalen Gesundheit. Auf Dauer kann es passieren, dass wir unseren eigenen Wert vollständig anhand unserer äußeren Erscheinung festlegen. Wie Studien festgestellt haben, können langfristige Folgen von (innerem) Bodyshaming die Entwicklung ernsthafter Krankheiten sein, wie beispielsweise Essstörungen oder Depressionen.

Bodyshaming kann zu ernsten Krankheiten, wie Essstörungen oder Depressionen, führen.

Body Positivity

Eine Art Gegenbewegung zum Bodyshaming ist Body Positivity. Dabei werden die Wertschätzung der körperlichen Makel und der Abweichungen vom gesellschaftlich bedingten Schönheitsideal betont. Body Positivity steht für die Förderung des Selbstwertes, der Selbstakzeptanz, sowie der Selbstliebe.


Bodyshaming überwinden - Tipps und Tricks

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Wir haben eine gute Nachricht für dich: Selbstakzeptanz und Selbstliebe lernen und damit den Weg heraus aus dem Bodyshaming finden ist möglich und kann durch ein paar Tricks im Alltag erleichtert werden! Deswegen möchten wir dir hier ein paar Tipps an die Hand geben, wie wie du täglich deinem Ziel, dein Schamgefühl zu überwinden, ein bisschen näher kommen kannst.

Tipp 1: Bewusstsein

Mach dir bewusst, dass Bodyshaming ein echtes Phänomen ist, dass du weißt, wodurch es ausgelöst wird und dass es nichts mit deinem tatsächlichen Wert zu tun hat. Du bist gut so wie du bist, und dein Selbstwert sollte nicht von gesellschaftlich bedingten Schönheitsidealen abhängig sein.

Tipp 2: Self-Care Rituale 

Nimm dir Zeit für dich selbst und gib der Selbstliebe eine Chance! Statt dich im Bodyshaming zu verlieren, tue dir und deinem Körper etwas Gutes. Nimm ein heißes Bad, starte ein Ganzkörperpflege-Programm oder koche dir etwas Leckeres. Auch Achtsamkeitsübungen helfen dir, auf Dauer mehr Selbstakzeptanz zu entwickeln. Mehr zum Thema Achtsamkeit findest du hier

Tipp 3: Positive Affirmationen

Stell dich jeden Morgen vor den Spiegel und setze ein breites Lächeln auf. Dann nenne drei Dinge, die dir heute besonders gut an dir gefallen, und zwar laut. Das kommt dir albern vor? Vertrau uns, das ist ein absoluter Boost für deinen Selbstwert – und gibt Bodyshaming auf Dauer keine Chance mehr!

Tipp 4: Positive Menschen

Umgib dich mit Menschen, die dir gut tun, dich zum Lächeln bringen und dir dabei helfen, mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe zu empfinden. Denn wie sollte man sein Schamgefühl überwinden, wenn die Leute um einen herum dauerhaft Kritik ausüben?! 

Tipp 5: Tagebuch führen

Schreibe jeden Abend auf, worauf du heute stolz bist. Was hast du erreicht und was hast du gut gemacht? Nimm dir bewusst Zeit, darüber nachzudenken und mit Sicherheit wird dir immer etwas einfallen! 


Checkliste

Damit Bodyshaming bei dir keine Chance (mehr) hat, haben wir dir zum Schluss eine kleine Checkliste zusammengestellt, die du jeden Abend durchgehen kannst. Du kannst alles abhaken? Herzlichen Glückwunsch! Du bist deinem Ziel, mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe zu lernen, heute wieder ein Stück näher gekommen! 

✔ Ich habe mir heute Zeit für mich selbst genommen.

✔ Ich habe heute herzlich gelacht.

✔ Ich habe mich heute nur mit Menschen umgeben, die mir guttun.

✔ Ich habe mir heute selbst gesagt, was mir an mir und meinem Körper  gefällt.

✔ Ich habe mir heute bewusst gemacht, dass ich gut bin, wie ich bin.

✔ Ich habe eine Sache gefunden, auf die ich stolz bin oder die ich gut gemacht habe und habe sie aufgeschrieben.


Häufige Fragen und Antworten

Was ist Bodyshaming?

Bodyshaming ist eine Art Schamgefühl und bezeichnet die übermäßige und unverhältnismäßige Kritik am (eigenen) Körper im Hinblick auf unterschiedliche Merkmale. So können beispielsweise dünne Körper (Skinny Shaming), dicke Körper (Fat Shaming), der eigene (inneres Bodyshaming) oder fremde Körper (äußeres Bodyshaming) im Fokus stehen.

Woher kommt Bodyshaming?

Bodyshaming entsteht durch einen Mangel an Selbstliebe und Selbstakzeptanz, sowie einen geringen Selbstwert. Diese wiederum werden ausgelöst durch die Wahrnehmung, gesellschaftlich festgelegten Schönheitsidealen nicht zu entsprechen und damit weniger wert zu sein.

Wie überwinde ich Bodyshaming?

Durch das bewusste Üben in Selbstliebe und Selbstakzeptanz können Schamgefühle überwunden werden. Neben dem Bewusstmachen, dass Bodyshaming ein reales und einflussreiches Phänomen ist, können positive Rituale dabei helfen, den Selbstwert zu steigern. So können tägliche Achtsamkeitsübungen, positive Affirmationen oder Self-Care Rituale stark dazu beitragen, dem Bodyshaming keine Chance zu geben.


Quellen

  1. Abrams, A. (2017, 10. Oktober). Shutting down body shaming. Psychology Today. https://www.psychologytoday.com/intl/blog/nurturing-self-compassion/201710/shutting-down-body-shaming
  2. Berger-Dinkel, M. (2020, 8. Januar). Body Shaming: Ein Viertel der Deutschen ist schon aufgrund des eigenen Körpers beleidigt worden. YouGov: What the world thinks. https://yougov.de/news/2020/01/08/body-shaming-ein-viertel-der-deutschen-ist-schon-a/
  3. Birk, F. F., & Mirbek, S. (2021). Bodyshaming, Bodypositivity, Bodyneutrality und Bodydiversity. Körperlichkeit als zentrale (Anti-)Diskriminierungsthematik. Körper – tanz – bewegung, 3,  142-150. https://doi.org/10.2378/ktb2021.art19d
  4. Grabe, S., Hyde, J. S., & Ward, L. M. (2008). The role of the media in body image concerns among women: A meta-analysis of experimental and correlational studies. Psychological Bulletin, 143(3), 460-476. https://doi.org/10.1037/0033-2909.134.3.460
  5. McLeod, S. (2018). Maslow’s Hierarchy of Needs. SimplyPsychology. https://canadacollege.edu/dreamers/docs/Maslows-Hierarchy-of-Needs.pdf
  6. Vandenbosch, L. & Eggermont, S. (2012). Understanding Sexual Objectification: A Comprehensive Approach Toward Media Exposure and Girls’ Internalization of Beauty Ideals, Self-Objectification, and Body Surveillance. Journal of Communication, 62(5), 869–887. https://doi.org/10.1111/j.1460-2466.2012.01667.x

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