Upfit Podcast #3: Finde deinen eigenen Weg: Dunning-Kruger, der Confirmation Bias und Youtube Lemminge

In Folge #3 des Upfit Podcast geht es um gefährliches Halbwissen, selbsternannte Ernährungs- und Fitness Gurus und der Frage, wem man bei Ernährungs- und Fitnessfragen überhaupt noch vertrauen kann bzw. wie man echte Kompetenz erkennt? Die in dieser Folge vorgestellten Modelle und Prinzipien kannst du nicht nur auf Ernährung, Abnehmen und Motivation anwenden, sondern darüber hinaus. Wie konsumierst du Wissen? Ist es smart direkt jedem Ratschlag zu folgen oder diesen auch mal dankend abzulehnen?

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Transkript zum Podcast

Einleitung Podcast

[00:00:00] Herzlich willkommen zum Podcast von Upfit, deinem Ernährungscoach für die Hosentasche, der gesunde Ernährung leicht macht. 100 Prozent individuelle Ernährungspläne für dein persönliches Ziel per Smartphone-App. Tausende haben bereits ihre Erfolgsgeschichte mit Upfit geschrieben. Auch Top-Athleten und Ernährungsberater vertrauen auf unser Know-how. Warum das so ist, schaust du am besten selbst an, unter www.upfit.de. Und jetzt geht es los mit dem Podcast.

Einleitung: Was bedeutet Dunning-Kruger-Effekt, Confirmation Bias und Youtube-Lemminge? 

[00:00:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserer heutigen Podcastfolge mit dem sehr einprägsamen Titel „Dunning-Kruger, der Confirmation Bias und YouTube Lemminge“. Ihr habt vielleicht schon gemerkt, dass sich hier drei Dinge verbinden, die vielleicht so in der normalen Welt nicht unbedingt zusammengehören. Aber das werden wir versuchen, jetzt mit der Zeit so ein bisschen aufzulösen und ich fange einfach mal an, indem ich euch eine kleine Geschichte erzähle, die jeder wahrscheinlich schon in irgendeiner Form mal selber erlebt hat. Und zwar die Aussage, wenn beispielsweise Eltern, Freunde oder Bekannte zu einem sagen „Wenn der jetzt vom Hochhaus springt, dann springst du auch hinterher oder was?“ und das meint nichts anderes, als dass jeder in seinem Leben schon etwas getan hat, was er nur deshalb getan hat, weil andere es machen. Beispielsweise die große Schwester oder der große Bruder, dem man nacheifern möchte, oder man hat irgendwelche Stars, die man verehrt und dann kleidet man sich wie diese Stars. Oder man hat ein Vorbild in irgendeiner Hinsicht und eifert diesem Vorbild nach, ohne jetzt großartig zu hinterfragen, ob das überhaupt sinnvoll ist oder nicht. Andere Leute, die das von außen beobachten, die beobachten dann vielleicht ein etwas unpassendes Verhalten oder nicht sinnvolles Verhalten und fragen sich „Was macht ihr da eigentlich?“ „Das ist ja nicht vernünftig und so ist der oder die doch eigentlich gar nicht“. Da sind wir bei so einer Art Folgsamkeit, die wir aus bestimmten Gründen entwickeln. Also in dem Fall einfach Verehrung. Wir verehren jemanden und deshalb machen wir das oder wir wollen etwas haben, was jemand anders hat und deshalb denken wir uns okay, machen wir das Gleiche, was der oder die Macht und dann wird das bei uns vielleicht auch klappen. Zum Beispiel Frisuren sind auch gerne genommen. Ich sehe das sehr häufig, dass Menschen sich Frisuren machen, die gerade in Mode sind und dabei jetzt nicht wirklich darauf achten, ob diese Frisur möglicherweise zum eigenen Kleidungsstil oder Typen überhaupt passend ist. Das habe ich vielleicht selber auch schon mal beobachtet. 

Ein anderes Beispiel ist, wenn wir bei der Arbeit sind, also weisungsgebunden arbeitet und auf das hören muss, was ein Vorgesetzter einem sagt. Auch da stellt sich im Endeffekt die Frage der Kompetenz nicht, ob derjenige, der die Befehle gibt, wirklich weiß, was er da tut oder nicht, ist erstmal egal. Weil ich muss das tun, was mir gesagt wird und sinnvoll wäre natürlich, an dieser Stelle Aufgaben von Personen übertragen zu bekommen, die wirklich kompetent sind und die wissen, was sie machen. Wir gehen in der Hinsicht erst mal davon aus, dass der/die Vorgesetzte, irgendwie kompetenter ist als man selbst. Das heißt, dieses Thema „Kompetenz“, das werden wir später noch ein bisschen mehr zu hören bekommen. Was ist das eigentlich und warum ist das so wichtig? Wie kann ich Kompetenz überhaupt erkennen und für mich selber erfahren? Jetzt ist es ja häufig so, dass Leute dazu neigen, Dinge, die sie selber an sich erfahren haben, weiterzugeben. Also nehmen wir mal ein Beispiel: Jemand hat abgenommen und sagt hier, ich habe das und das gemacht, hat abgenommen, funktioniert super, mach einfach genau das Gleiche. Das Ganze passiert noch in viel größerem Maßstab, natürlich auf den sozialen Medien. Das heißt, dort präsentieren sich Leute, die irgendwas erreicht haben und die sagen: Hey, wenn du das Gleiche erreichen willst wie ich, dann mach einfach genau das Gleiche. In der Regel funktioniert das aber nicht. Also es gibt kein Blueprint, kein Muster für Erfolg in irgendeiner Hinsicht, sondern jeder Mensch ist anders und man sollte sich vielmehr darauf konzentrieren, wo man selber steht und welche Voraussetzung man hat, um daraus zu schließen, wie man selber vorgehen kann. Das wäre zumindest die erfolgversprechende Variante. Leider ist es auch ein bisschen aufwendiger für die meisten und deshalb geht man halt hin und schaut sich an, was haben andere gemacht. Und da kommt es dann zu so interessanten Stilblüten, wie beispielsweise, dass ein Alkoholiker sagt: „Ja gut, ich war lange Alkoholiker und dann hatte ich dieses total einschneidende Erlebnis, dass ich im Auto gegen Baum gefahren bin und danach habe ich mir gesagt: Du wirst nie wieder ein Tropfen Alkohol, du bist hier fast gestorben“. Der denkt sich dann, das wäre eine schlaue Idee, den Leuten zu sagen, macht Grenzerfahrungen, sammelt Grenzerfahrungen. Und dann werdet ihr selber für euch feststellen, dass das vielleicht gar nicht so cool ist ständig betrunken durch die Gegend herumzulaufen. Ist jetzt erst mal ein Tipp, den ich nicht so super prickelnd finde. Genauso ist es auch beim Thema Ernährung und Abnehmen. Da gibt es die wildesten Theorien, die wirklich viele Anhänger haben. Ich erinnere mich an ein YouTube-Video, wo jemand empfohlen hat, sich ausschließlich von Bananen zu ernähren, weil er super Blutwerte hat und weil es ihm damit super geht und er ein top Gewicht hat und fit ist und das wird auch für die geringsten Anteile der Bevölkerung funktionieren. Bananen sind kein ganzheitliches, hochwertiges Lebensmittel und insofern sind wir da an einem Punkt angelangt, wo wir natürlich gucken müssen: Warum funktioniert es für jemand anderen, ist das übertragbar auf mich selber oder ist es nicht übertragbar? 

Dunning-Kruger-Effekt oder die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten

[00:05:39] Und da sind wir ganz schnell bei dem Dunning-Kruger-Effekt. 

Den haben wir in dem Titel von dieser Folge mit drin. Der Dunning-Kruger-Effekt entstammt der Psychologie und beschreibt letztlich eine systematische, fehlerhafte Neigung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, die das eigene Wissen und Können überschätzen. Also es heißt nichts anderes als: Ich bin in einem gewissen Bereich komplett umgeschult, aber ich halte mich erst mal für wahnsinnig kompetent. Vielleicht, wenn ihr euch mal so zurückerinnert, als ihr noch jugendlich wahrt und kurz davor stand mit Führerschein zu machen, da habt ihr gedacht, Auto fahren, hab das 1000 Mal gesehen wie mein Vater oder meine Mutter das macht und dann kriege ich das wohl auch hin, das kann so schwer nicht sein. Am Computer kann ich das auch, ich trete aufs Gas und lenke und schalten kann nicht so schwer sein. Dann macht man die ersten Fahrstunden und säuft ein paar Mal ab und dann fällt man erst mal in ein tiefes Tal und denkt sich, das ist unglaublich kompliziert, ich werde das nie schaffen. Bis man dann über die ganzen Stunden und den ganzen Kram, den man da so gelernt hat, so langsam eine Kompetenz erreicht, mit der man sich sicher fühlt, wirklich Auto zu fahren. Das Ganze lässt sich natürlich auch auf andere Bereiche übertragen. Aber ich glaube, das Prinzip ist klar, wenn man Sachen nicht wirklich kennt, dann neigt man erst mal dazu zu sagen „Das kann ich wohl schon, das kriege ich irgendwie hin“. So oder beziehungsweise in Bezug auf Wissen: ich weiß genug darüber. Ganz klassisches Beispiel und hier ein total wertvolles Beispiel für uns ist die Ernährung selber. Jeder muss sich in irgendeiner Form ernähren, das ist ein Grundbedürfnis. Es ist lebenswichtig und jeder macht das. Und dadurch sammelt jeder in seinem Leben halt irgendwie Erfahrungen, die er natürlich nie aufschreibt, sondern es einfach so fühlte. So ja, das ist gut, das ist schlecht, das fühlt sich gut an, es schmeckt gut und so weiter und so fort. Dadurch, dass man sich sein Leben lang ernährt, glaubt man eine gewisse Kompetenz zu haben. Man fühlt sich irgendwie wissend in irgendeiner Form über Ernährung und dabei können die meisten Leute nicht mal, wenn sie einen Teller mit Essen vor sich haben, grob abschätzen, welches Lebensmittel in welche Lebensmittel Kategorie reingehört und welche Makronährstoffe und Mikronährstoffe da drin sind. Und das sind natürlich ganz entscheidend wichtige Merkmale, die man kennen muss, um das Essen überhaupt einordnen zu können. So sind die Langzeiteffekte von Ernährung überhaupt nicht absehbar. Das heißt, das Wissen, was man hatte, das, weshalb man sich kompetent, für kompetent hält. Das sind einfach so ganz kurzfristige Aspekte, die irgendwo im Hirn auftreten, dass man sich wohlfühlt, dass man sich belohnt fühlt durch Ernährung oder vielleicht mal beinahe bei einer kurzen Phase. Ich habe mich mal auf diese Art und Weise ernährt und da ist das und das passiert. Das sind so die Erfahrungen, die man macht. Die sind aber weit weg davon, natürlich das ganze Bild zu erfassen und wirklich Kompetenz darzustellen. Und wenn man sich dann in dieses Thema einarbeiten und plötzlich lernt, was sind überhaupt Makronährstoffe und Mikronährstoffe, was bewirken die im Körper und welche Langzeiteffekte habe ich zu erwarten von welcher Ernährungsform? Dann kommt man da so ganz langsam in den Bereich. Dann fängt man an zu kochen, probiert diese Sachen aus, hält vielleicht mal eine Ernährungsform ein paar Monate lang aufrecht und probiert sich daran aus. Dann wird man wirklich Kompetenz und das ist eben das, was der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt, dass man als inkompetenter Mensch am Anfang dazu neigt, die eigenen Fähigkeiten massiv zu überschätzen. Dazu kommt noch, dass man überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen kann und das Ausmaß der eigenen Inkompetenz dementsprechend auch gar nicht erst erkennen kann. 

Der David Dunning, der damit befasst war, das ganze Ding zu entwickeln, der hat es mal so formuliert, er sagte: „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist, weil die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, genau die gleichen Fähigkeiten sind, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen“. Das heißt, man erkennt nur dann seine eigene Inkompetenz, wenn man auch weiß, was die mögliche Lösung sein könnte. Da ist natürlich ein ganz großes Problem bei vielen Leuten, die etwas erlebt haben und für sich vielleicht mal wahrgenommen haben. Wie gesagt, ich habe mal Gewicht verloren, indem ich sechs Wochen eine Kohlsuppe gegessen habe. Dann werden die sagen, das funktioniert, weil ich habe es doch mitbekommen, dass es funktioniert. Ich bin kompetent in diesem Bereich. Ich weiß, Kohlsuppe funktioniert. Das ist aber ein Einzelfall, und das ist nicht auf jeden anwendbar. Vor allem bringt es noch andere Sachen mit sich, die dieser Mensch vielleicht gar nicht weiß. Das sind solche Sachen wie: „Was passiert denn, wenn ich nach der Kohlsuppe wieder mich normal ernähre wie vorher?“ oder „Was mache ich als Follow-up? Wie gehe ich damit um, wenn ich dann das Gewicht verloren habe?“. Solche Dinge weiß dieser Mensch alles nicht und das heißt, diese Kompetenz, die er sich einbildet, ist einfach nicht vorhanden.

Confirmation Bias

[00:10:15] Damit kommen wir auch eigentlich schon zum Confirmation Bias, weil der hängt aus meiner Sicht ziemlich eng damit zusammen. Der Confirmation Bias ist so was wie auf Deutsch heißt es der Bestätigungsfehler und da hat man es glaube ich auch schon. Das bedeutet, dass man dazu neigt, Thesen, die man selber aufgestellt hat, bestätigen zu wollen. Man sucht automatisch mehr nach Argumenten, die die eigene These bestätigen und man hört sich Argumente von der Gegenseite nicht so gerne an. Ich habe diese Confirmation Bias schon mal erwähnt, und zwar in meinem Podcast mit David Kebekus. Grüße an dieser Stelle als über den Film Game Changers geredet haben, ohne jetzt irgendeine Richtung da diffamieren zu wollen. Das will ich auf gar keinen Fall. Ich finde, vegane Ernährung ist super, wenn man sie richtig anstellt. Aber trotzdem geht es darum, dass man nicht dogmatisch an Themen herangehen sollte. Ganz im Gegenteil ist es total wichtig, sich immer eine gewisse Offenheit zu behalten. Das heißt, dass man neuen Theorien gegenüber aufgeschlossen ist und sich erst mal anhört, was da eigentlich für Argumente auf den Tisch gebracht werden. Dieser Confirmation Bias, der tritt vor allem dann auf, wenn passende Informationen, also Informationen, die zu meiner These passen, einem, die besser in Erinnerung bleiben, diese Information höher gewertet werden als gegensätzliche Informationen oder und das ist das entscheidende, Informationsquellen für unpassende Informationen einfach gemieden werden. Das ist eine Sache, die sehr häufig passiert, die letztendlich auch mit diesem Dunning-Kruger-Effekt einhergeht. Also beispielsweise, bei dem Thema „Klimawandel, Klimaleugner“, da ist es eine ganz häufige beobachtbare Sache, dass sich gerade die Klimagegner immer nur mit der Forschung beschäftigen, die die eigene These bestätigt und somit letztendlich eine ganze Ecke von Erkenntnissen und Forschung einfach außer Acht lässt, weil die eben nicht in das Bild passen. Genauso ist es häufig auch im Bereich Ernährung. Wenn man da dogmatisch vorgeht und einer Ernährungsweise sich verschreibt, dann neigt man dazu, von anderen Ernährungsweisen nur das Negative zu lesen oder zu hören oder sich in Videos reinzuziehen. Und da muss ich auch ganz klar mal kurz die Quellen ansprechen. 

Also ich muss sagen, Bildung über YouTube-Videos funktioniert nicht besonders gut. Es ist deutlich sinnvoller, sich mit Fachliteratur zu beschäftigen, sich mit Studien zu beschäftigen und da wirklich tief in ein Thema einzutauchen, bevor man eben den Mund aufmacht und Dinge veräußert, die vielleicht so gar nicht haltbar sind. Das passiert leider viel zu häufig. Gerade in meinen Kernkompetenzen Sport und Ernährung ist da sehr viel gefährliches Halbwissen unterwegs. 

Daher ist es auf jeden Fall wichtig und da sind wir wieder beim Dunning-Kruger-Effekt zu erkennen, welche Menschen wirklich kompetent sind. Es sind nicht immer die, die am lautesten schreien am Markt oder die den besten Fisch verkaufen, sondern in der Regel sind es diejenigen, die die besten fangen und Kühlmethoden haben. Genauso ist es eben auch beim Wissen über Ernährung und Sport. Es sind nicht diejenigen, die am meisten Output haben und die, die am meisten produzieren oder am lautesten sind. Nicht mal diejenigen, die vielleicht selber den besten Body haben, die am kompetentesten sind, sondern diejenigen, die sich mit den meisten Themen befasst haben, mit diesen Themen wissenschaftlich umgehen, also auch mit der Falsifizierbarkeit ihre eigenen Thesen rechnen und sich da immer wieder überprüfen. Letztendlich sind es diejenigen, die einfach das breiteste Wissen über die jeweiligen Themengebiete angesammelt haben. Erfahrung spielt natürlich auch eine gewisse Rolle, aber Erfahrung kann auch sehr selektiv sein. Nehmen wir mal das Beispiel Beziehung. Wenn man jetzt irgendwie über Beziehungen lernen will, über man möchte selber eine sehr glückliche Beziehung führen. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit, denjenigen im Bekanntenkreis zu fragen, der die meisten Beziehungen hatte, aber derjenige, der die meisten Beziehungen hatte, ist vielleicht kein besonders guter Ratgeber dafür, wie ich selber eine gute Beziehung führe, obwohl ich natürlich die meisten Erfahrungswerte besitzt. Dann kann ich natürlich dazu übergehen, kann sagen okay, vielleicht derjenige mit den meisten Beziehungen, weiß nicht, er hat halt auch schon oft erlebt, wie eine Beziehung zugrunde gegangen ist und woran die zugrunde gegangen ist. Von dem kann ich eventuell lernen, woran die Beziehung zugrunde gehen kann. Ist ja auch ein nettes Wissen. Okay, das kann ich mir also von dieser Person holen. Auf der anderen Seite habe ich dann vielleicht jemanden, der eine sehr lange, glückliche Beziehung führt. Wenn ich mir nun dessen lange und glückliche Beziehung anschaue und versuche, darüber Rückschlüsse auf meine eigene Beziehung, die ich haben will, zu schließen, dann bin ich vielleicht abgeschreckt. Was aber daran liegt, dass dieser Mensch vielleicht eine ganz andere Vorstellung davon hat, wie eine Beziehung funktionieren sollte, als ich die habe. Insofern kann ich dessen Erfahrung auch nicht auf mich übertragen. Das heißt, was immer passieren muss, in jedem Bereich des Lebens, ist, dass ich mir angucke, wo ich stehe, was ich möchte und vor allem auch, wo ich hin möchte. Dann kann ich erst die Schritte realisieren und die Ziele kurzfristig setzen. Das hatten wir auch schon im letzten, nein nächsten Podcast mit Verena Stumm über Zielsetzung. Hört da auf jeden Fall mal rein. Auf jeden Fall bin ich erst in der Lage, dann mir Ziele und Teilziele zu setzen, wenn ich weiß, wo ich selber stehe, wo ich herkomme und vor allem auch, wo ich hin möchte und mich dann einfach an anderen zu orientieren und zu sagen „Hey, das, was der macht, das möchte ich auch“. Das wird so nicht funktionieren, das wird euch nicht weiterbringen.

YouTube Lemminge

[00:15:43] An dieser Stelle kommen wir dann wieder zu den Lemmingen zurück. Ich weiß nicht, wer von euch alt genug ist, um das alte Spiel „Lemmings“ zu kennen. Auf jeden Fall Lemminge, das war damals so ein Spiel, wo man eine Figur gesteuert hat. Das war nur ein Lemming, so ein Tierchen und mit dem ist man weggelaufen und dem sind andere Tierchen hinterhergelaufen. Und wenn man dann selber quasi eine Klippe runter gelaufen ist, dann sind die anderen Viecher auch die Klippe runter gelaufen, weil sie einem einfach hinterher gedackelt sind. Insofern hat sich dieses Wort „Lemminge“ in meiner Generation zumindest so ein bisschen entwickelt als ein Wort für Leute, die blind gehorsam folgen oder die einfach unsinniger Weise folgsam sind. Deshalb auch dieser Begriff YouTube Lemminge in diesem Podcast im Titel. Denn ich kenne sehr, sehr viele Leute und ich komme oft mit Leuten in Kontakt, die mich auf YouTube-Videos hinweisen und auf Dinge, die in YouTube-Videos gesagt werden von Menschen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verdammt inkompetent sind. Diese Menschen labern dann irgendwas vor sich hin, wie man denn zu gewissen Zielen kommt und dann werde ich wiederum gefragt von den Menschen, die sich diese Videos anschauen: Aber der macht das doch so und guck dir den doch mal an, guck doch mal an, wie der gebaut ist, dann kann das ja so falsch nicht sein. Ganz klassisches Beispiel, wenn du einen Mann hast 1,80 groß und er wiegt 100 Kilo und ist 100 Kilo reine Muskelmasse und dieser Typ schraubt sich jetzt eine Menge Zucker und Süßigkeiten rein, dann hat das eine ganz andere Funktion als für denjenigen Menschen, der bei der gleichen Größe das gleiche Gewicht hat, aber deutlich mehr Körperfett und sich wenig bewegt. Er hat diese Muskelmasse gesehen, die der Mensch aufgebaut hat in dem Video, das hat Jahre lang gedauert. Er bewegt sich dafür, trainiert dafür extrem hart, selbst wenn man irgendwelche verbotenen Substanzen dann hinzusetzt, das macht noch lange keine Muskelmasse und muss trotzdem brutal hart trainieren, um die eine große Muskelmasse aufzubauen. Eine große Muskelmasse muss eben auch erhalten werden und versorgt werden. Und deshalb kann jemand, der eine sehr hohe Muskelmasse hat und vor allem niedrigen Körperfettwert, gleichzeitig dazu, sodass diese Muskeln schön sichtbar sind. Der kann es sich erlauben, deutlich mehr Zucker zu sich zu nehmen. Der muss sogar eine gewisse Menge an Zucker zu sich nehmen, beziehungsweise Kohlenhydrate insgesamt, um diese Muskelmasse zu erhalten und um leistungsfähig zu bleiben. Dieser Fall lässt sich natürlich nicht anwenden auf die andere Person, die andere Person, die jetzt vielleicht das gleiche Gewicht hat, aber davon deutlich weniger Muskelmasse und deutlich mehr Fett, die aber dahin möchte, die möchte auch mehr Muskelmasse, die möchte weniger Fett, die muss sich natürlich anders ernähren, weil sie ein anderes Ziel hat und natürlich auch ganz andere Voraussetzungen. Die Voraussetzungen, die wir haben, die definieren, was wir brauchen, um zu unserem Ziel zu kommen, welchen Weg wir gehen müssen, diese Denkweise, dass man Sachen nicht eins zu eins übertragen kann, die fällt den meisten Menschen in der Ernährung deutlich schwerer als in anderen Lebensbereichen. Wie ich gerade ja schon erwähnt habe, wenn du dir jetzt die Beziehung von einem Kumpel anguckt, dann oder von einer Freundin anguckst, dann wirst du nicht davon ausgehen, dass du alles genauso machen musst wie dieser Freund oder diese Freundin, damit deine eigene Beziehung funktioniert und ich glaube, da ist so ein kleiner Punkt, wo ihr vielleicht selber mal ein bisschen in euch gehen sollte und mal schauen solltet „Hey, wo stehe ich eigentlich und was möchte ich und wen kann ich beispielsweise dazu verwenden oder welche Informationen kann ich dazu verwenden, um dahin zu kommen, wo ich hin möchte?“. 

Ein Grund, warum wir beispielsweise unsere Ernährungspläne nicht statisch haben. Es ist nicht so, dass wir jetzt einen Ernährungsplan haben und den weitergeben, somachen das viele andere Anbieter. Es ist eben, dass wir die individuellen Verhältnisse von jeder Person berücksichtigen wollen, weil alles andere nicht wirklich funktioniert und nicht langfristig funktioniert. Das kann mal funktionieren, das ist dann einer von 100, aber wenn du möchtest, dass Dinge häufig funktionieren, dann musst du dir eben einfach anschauen, wer da vor dir sitzt und auf diese Person maßgeschneidert eben ein Programm anfertigen. Und das machen wir bei Upfit mit unserem Ernährungsplan beispielsweise. Wir haben eine sehr aufwändige Eingabemaske, wo man verschiedene Sachen eingeben kann, Ernährungsweise, Gewicht, Körpergröße, Körperfettanteil, das eigene Ziel, was man erreichen möchte und man bekommt eben genau für diese Ziele und für die Schritte, die dazu notwendig sind, die richtigen Werkzeuge an die Hand bis hin zu einer genauen Einkaufsliste, was du für heute für morgen und weiter einkaufen musst. Ich denke, dass da jedem klar sein sollte, dass so ein allgemeines Ding „Ich kaufe mir ein Buch und ich folge dem Ernährungsplan, der in diesem Buch drin steht“ nicht funktioniert. Für wen wurde denn dieses Buch geschrieben? Wurde das genau für dich, für deinen Fall geschrieben? Oder wurde einfach von jemandem geschrieben, der aufgeschrieben hat, was er so gemacht hat, was für ihn so funktioniert hat? Das ist glaube ich so eine Frage, die man sich dann an der Stelle auch mal ganz ehrlich und direkt stellen sollte.

Fazit 

[00:20:45] Aber ich versuche mir auch nur mal heute so ein kleines Round up zu machen, weil vielleicht kommen wir da ja noch mal zu so einem Gesamtbild. Und zwar der Titel der Folge, ich sage noch mal, weil er mir so gut gefällt, ist Dunning-Kruger, der Confirmation Bias und YouTube Lemminge. Ich glaube, dass alles drei Dinge sind, die ihr vermeiden solltet. Ihr solltet also vermeiden, dem Dunning-Kruger-Effekt zu unterliegen. Ihr solltet immer schauen, wie kompetent bin ich selber und dass man versuchen realistisch zu bewerten und dabei alles in Betracht ziehen, was an positiven und negativen Merkmalen verfügbar ist. Und wenn ihr dann merkt meine Kompetenz ist doch nicht so groß, dann gibt es verschiedene Wege. Ein Weg ist es, ihr bildet euch. Weil Bildung den Dunning-Kruger-Effekt auflöst, das heißt möglichst viel sachliche, fachliche wissenschaftliche Literatur zu einem Thema zu lesen und aufzunehmen. Die andere Möglichkeit ist, jemanden zu konsultieren, der genau das schon getan hat und sich sachlich und fachlich mit dem Thema befasst hat, um das es geht. Genau an der Stelle ist natürlich der Dunning-Kruger-Effekt irgendwo, der geht ja parallel mit dem Confirmation Bias. Wenn ich am Dunning-Kruger-Effekt leide und mich selber für kompetenter halte als ich bin, dann laufe ich natürlich eher Gefahr dem Confirmation Bias zu unterliegen, also nur Informationen zu berücksichtigen, die meine eigene These bestätigen. Das solltet ihr auf jeden Fall auch vermeiden. Hört euch immer an, was die Gegenseite zu vermelden hat und prüft vielleicht diese Thesen auch einmal auf ihren Wahrheitsgehalt und versucht mal aus eurer eigenen Perspektive ein bisschen rauszunehmen. Dann haben wir uns in den letzten Teil, das sind die YouTube Lemminge, das heißt, folgt nicht blind irgendwem, sondern sucht euch ganz präzise raus, wem ihr aus welchen Gründen folgen möchtet und welche Aussagen von dieser Person richtig sind und welche falsch sind. Also, selbst wenn ihr euch entscheidet und sagt: Hey, ich finde das cool, was der oder die Person da macht und ich möchte das selber auch mal ausprobieren, dann heißt das noch lange nicht, dass ihr alles, was gesagt wird, für bare Münze nehmen müsst. Das heißt, selbst wenn ihr folgt, dann folgt nicht blind, sondern entscheidet euch möglicherweise dafür. Aber das immer mit einem gewissen Zweifel im Hintergrund und immer mit einem Kritizismus, den ihr euch behalten solltet, um verschiedene Aussagen immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und nicht irgendwann dazustehen und plötzlich selber dogmatisch durch die Gegend zu laufen. Das ist mein Schlusswort für diese Folge, also erhaltet euch euren naiven Drang zur Forschung und versucht Wissen anzuhäufen und schaut, dass ihr, wenn ihr die Möglichkeit habt, auf kompetentere Personen zurückgreift, um etwas vielleicht besser kennenzulernen und Dinge besser erledigen zu können. Und das ist natürlich ganz besonders in Bezug auf Ernährung und Sport. Ich glaube, das sind Punkte, wo jeder glaubt, ein wenig Kompetenz zu besitzen, hinterfragt das, bleibt kritisch und ich wünsche euch viel Erfolg dabei, kompetente Menschen im Bereich Ernährung und Sport zu werden. Dann erreicht ihr auch die Ziele, die er euch so gesteckt habe. Wie immer könnt ihr auch zu dieser Episode Kommentare hinterlassen oder uns per anchor.fm ein Shout in schicken, dass wir dann womöglich mal in einer nächsten Folge berücksichtigen. Bitte lasst mich auch wissen, was für Themen ihr für den Podcast in Zukunft interessant findet, dann schaue ich mal, dass ich das irgendwie einbauen kann und ansonsten sage ich mal bis zur nächsten Folge haut rein, euer Till. 

Anmerkung der Redaktion: Der Wortlaut wurde stellenweise angepasst, um Versprecher und andere irrelevante Passagen zu entfernen.

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