Fettleber - Ernährung und Lebensstil als Therapie

7 Min. Lesezeit · Upfit Redaktion

Fettleber Leberzirrhose

Was ist eine Fettleber?

Bei einer Fettleber wird Energie in Form von Fett in die Leberzellen eingelagert und behindert die Funktion. Sie entsteht durch zuviel Essen, Alkohol und einen ungesunden Lebensstil. Die Belastung führt zu Störungen im Stoffwechsel und entwickelt sich hin bis zu einer Entzündung (Hepatitis). In diesem Beitrag geben wir dir ein paar einfache und natürliche Tipps zum Vorbeugen und Intervenieren an die Hand.


Wie stark ist die Fettleber verbreitet?

Schnelllebigkeit

Etwa jeder vierte Mensch in der westlichen Welt ist mit einer Fettleber belastet, ohne davon zu wissen. Mittlerweile ist die Fettlebererkrankung die am meisten diagnostizierte Ursache von chronischen Leberleiden. Parallel dazu erhöhte sich in den letzten Jahrzehnten die Anzahl an Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit) und Diabetes. Damit wird die Fettleber ein immer festerer Bestandteil unseres Alltags, gerade weil viele sie überhaupt nicht erahnen.

Wer ist besonders gefährdet?

Frauen besitzen das für Alkoholverdauung benötigte Enzym Alkoholdehydrogenase in kleinerer Menge in Leber und Magen als Männer. Da Alkohol ist eine mögliche Ursache für eine Fettleber ist, sind sie deutlich gefährdeter. Der aufgenommene Alkohol kann nicht so schnell verarbeitet werden und stellt eine höhere Belastung dar.

Außerdem begünstigen Vorerkrankungen, wie z.B. Hepatitis, die Vorbelastung der Leber. Diese ist dadurch weniger resistent gegenüber Zusatzbelastung durch Überernährung, falsche Ernährung und Alkoholkonsum.


Unser Alltag als Ursache

Tägliches Essen

Konsum und Überangebot dominieren dieser Tage unseren Alltag. Morgens das Croissant am Bahnhof, mittags schnell noch ein Fischbrötchen auf die Faust und abends die Tiefkühlpizza. Alles muss schnell gehen und das schmälert die Nahrungsqualität. Lebensstile wie dieser begünstigen eine Fettleber stark. Besonders Alkoholkonsum und zu große Energieaufnahme führen zu einem Überschuss von Fetten im Körper. Gemeinsam mit den giftigen Abbauprodukten des Alkohols überfordern sie die Leber.

Die Top 3 Ursachen für eine Fettleber

1. Übermäßiger Alkoholkonsum
Schon geringe Aufnahme belastet mit der Wirkung des Alkohols und seiner giftigen Abbauprodukte die Leber sowie den gesamten Körper. 0,5L Bier/Tag bei Frauen, 1L bei Männern gelten bereits als leberschädigend. 2 Liter Wein täglich über einen Zeitraum von 3 Wochen führen sogar schon zur Entwicklung einer ausgeprägten Fettleber. 

2. Zu große Nahrungszufuhr
Dem Körper wird mehr Energie zugeführt, als er verbrauchen kann (positive Energiebilanz). Dabei sind die Makronährstoffe im Essen von Bedeutung. Überschüssige Fette werden vor allem auch in der Leber gespeichert. Kohlenhydrate nehmen im Körper eine zentrale Rolle als Baustoff und Energieträger ein. Sie werden für Energie verbraucht und dienen ebenfalls zur Bildung von Fettsäuren, Aminosäuren und Proteinen. In diesen Formen sind sie auch speicherbar. Bei einem Überschuss in der Leber sind es Fettsäuren, aufgrund der hohen Energiedichte.

3. Stoffwechselerkrankungen
Dazu zählt z.B. die bekannte Krankheit Diabetes, bei der Zucker im Körper nicht abgebaut wird. Allgemein sind das alle Erkrankungen, die Abläufe im Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Unser Zucker-Guide gibt dir Infos rundum Zucker und dessen Folgen. Außerdem spielt die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) eine Rolle, da es aufgrund von Eisenablagerungen in allen Organen zu vermehrter Bindegewebeneubildung kommt. Bindegewebsbildung wiederum ist auch eine Folge der Fettleber, also doppelte Belastung. 

„Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“
– Winston Churchill


Was geschieht in unserem Körper?

Verlauf der Erkrankung

Fettleber

Fette werden in den Leberzellen abgelagert und stören die Funktion. In der Medizin spricht man entweder von einer einfachen oder einer ausgeprägten Fettleber. Diese unterscheiden sich hinsichtlich des Fettanteils in der Leber. Bei einer einfachen bestehen etwa 10% des Lebergewichts aus Fett. Die ausgeprägte Form hat schon etwa 20% Fettanteil.

Leberentzündung

Eine unbehandelte Fettleber birgt Entzündungsrisiko, was in einer Anschwellung und beginnenden Zerstörung der Leberzellen resultiert. Die Schädigung der Leberzellen führt zur Vernarbung, Ärzte sprechen hierbei von einer Fibrose. Die gesamte Entzündung der Leber wird oft als Form einer Hepatitis beschrieben. Ab diesem Punkt wird die Schädigung permanent, da der Körper Bindegewebe im Prozess der Wundheilung aufbaut und dort dann bereits die Durchblutung und die Funktion eingeschränkt ist.

Leberzirrhose

Die anhaltende Entzündung des Gewebes führt zu einer völligen Veränderung des Leberaufbaus. Funktionseinschränkungen durch den Ersatz von Leberzellen mit Bindegewebe folgen, welche die Fettleber nicht mehr kompensieren kann. Die Schwellung geht zurück und die Leber schrumpft. Daraus folgen schwerwiegende Komplikationen mit teils tödlichem Verlauf.

Was ist eine alkoholische Fettleber?

Zuviel Alkohol ist der Grund für eine alkoholische Fettleber. Da die giftigen Abbauprodukte die Leber belasten, kann die Hauptaufgabe der Entgiftung und Steuerung der Körperfunktionen nicht mehr vollständig wahrgenommen werden. Die Leber speichert daraufhin Fett und die Abbauprodukte des Alkohols schädigen die Leberzellen.

Alkoholische vs. Nicht-alkoholische Fettleber

Alkoholische FettleberNicht-Alkoholische Fettleber
GrundViel AlkoholSchlechtes und zuviel Essen
Folgen im KörperFettspeicherung besonders in der LeberÜbergewicht, der ganze Körper wird belastet
Ablauf und SchädenVerfettung und Funktionseinschränkung + zusätzliche GiftbelastungVerfettung und Funktionseinschränkung
BehandlungEinstellen des Konsums, gesunde ErnährungLebensstil und Ernährung grundsätzlich ändern

Die Rolle von Diabetes

Diabetes

3 von 4 Menschen mit Diabetes Typ 2 haben auch eine Fettleber. Bei Diabetikern dieses Typs wirkt das Hormon Insulin nicht mehr richtig oder wird nicht ausreichend gebildet. Da Insulin für die Regulierung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist, hat das Folgen für den Fettstoffwechsel. Hierbei wird in Fachkreisen von einer Insulinresistenz gesprochen, bei der vermehrt Fette im Körper freigesetzt werden. In der Folge nehmen die Leberzellen vermehrt freie Fette auf. Diese Faktoren führen dazu, dass Menschen mit Diabetes häufiger an einer Fettleber erkranken. Wenn der Körper eine gewisse Resistenz gegen Insulin entwickelt hat, lagert sich zudem mehr Eisen in der Leber ab. Das führt zur Entstehung schädlicher Stoffe (Oxidradikale), die eine Entzündungsreaktion begünstigen. Diabetiker haben deshalb auch ein höheres Risiko für eine Leberentzündung. In der Regel ist Typ 2 erst im höheren Alter anzutreffen, aber mit einer ungesunden Ernährung erkranken bereits Kinder im Alter von 15 Jahren oder jünger an Diabetes und befinden sich auf dem direkten Weg zu einer Fettleber.

Welche Symptome können bei einer Fettleber auftreten?

  • Druckschmerz aufgrund der Schwellung, Appetitlosigkeit und/oder Müdigkeit, hängen von Ausprägung und Schädigung ab
  • Es muss nicht zwingend ein Symptom auftreten
  • Eine Diagnose kann nur nach einem Blutbild, einer Biopsie oder einer Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs erfolgen
  • Dadurch erschwert sich die Diagnose deutlich und macht die Fettleber durch häufiges Übersehen gefährlich

Wie werde ich die Fettleber los?

Therapie

Die Behandlung ist simpel und heißt Bewegung und Ernährung. Damit sind etwa 200 Min/Woche mit moderater Belastung gemeint. Die Reduktion der Nahrungszufuhr ist hier jedoch das Kernelement. Wir wollen erreichen, dass der Körper mehr verbraucht als er aufnimmt. In Zahlen müssen etwa 30% der täglichen Kalorienzufuhr reduziert werden, was etwa 750-1000 kcal/Tag entspricht. Bei der alkoholischen Fettleber steht Alkoholstopp auf dem Plan. Zusätzlich dazu hilft eine ausgewogene, gesunde Ernährung dem Körper bei der Regeneration deutlich.

Mit diesen Mitteln lässt sich in einigen Fällen selbst eine schon begonnene Vernarbung wieder regenerieren und bei einer Zirrhose zumindest eine weitere Vernarbung aufhalten.



Was kann ich mit diesen Infos jetzt anfangen?


  • Vermeide Fertigprodukte: Selbst zu Kochen mag erstmal abschreckend klingen, hat jedoch bei etwas Routine seinen Reiz. Du weißt, was du auf dem Teller hast und kannst ruhigen Gewissens essen. Fertigprodukte und Fast Food enthalten genau die für eine Fettleber verantwortlichen Fette und Kohlenhydrate. Hier zeigen wir dir, wie du auch unterwegs gesund essen kannst und wie du dir deine Mahlzeiten ganz einfach vorbereiten kannst.
  • Kohlenhydrate: Oft ist die Rede nur von Fett, doch überschüssige Kohlenhydrate werden ebenfalls in den Fettspeichern abgelegt. Besonders der einfache Zucker Glukose ist oft tückisch in z.B. Saucen und Ketchup untergebracht.
    • Konkrete Essenszeiten: Plane deine Mahlzeiten zeitlich und teile sie in 3-5 größere auf. So hast du im Blick, wie viel du isst. Vor allem die kleinen Naschereien sind leichter zu vermeiden.
    • Bewusst Essen: Nimm dir Zeit für dein Essen als Hauptbeschäftigung. So merkst du wirklich, was du zu dir nimmst.

    Da leider nur die Leberbiopise, ein Blutbild und die Ultraschalluntersuchung als sichere Methode übrig bleiben, sollte man sich selbst einfach mal reflektieren und fragen:

    Ist meine Ernährung gesund?

    Bin ich aufgrund meines Übergewichts gefährdet?

    Wie viel Alkohol trinke ich eigentlich wirklich?


    Literaturverzeichnis

    Weiß, J., Rau, M., Geier A. (2014): Nichtalkoholische Fettlebererkrankung – Epidemiologie, Verlauf, Diagnostik und Therapie. Deutsches Aerzteblatt Int 2014; 111(26): 447-52; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0447

    Schneider, A., Singer, M., Teyssen, S. (2005): Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten: Grundlagen-Diagnostik-Therapie

    Pusl, T., Rust, C. & Parhofer, K. Diabetologe (2009) 5: 653. https://doi.org/10.1007/s11428-009-0457-2

    Internetseiten:

    https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/leber/alkoholische-lebererkrankung (Zugriff: Juni 2019)


    Weitere spannende Beiträge